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Risiken für Vermögen und Reputation

Immer wieder bringen massive Regelverstöße Unternehmen, öffentliche Verwaltung und staatliche Betriebe in die Schlagzeilen. Die Mehrzahl der Unternehmen sehen Korruption als ein ernstes Problem an und rechnen mit der weiteren Zunahme einer verbreiteten Wirtschaftskriminalität.

Aufgrund der unverändert von der Wirtschaftskriminalität ausgehenden Gefahren, einer immer größer werdenden Regelungsdichte, der Verlagerung der Kontrollpflichten in die Unternehmen sowie der verschärften Haftungsrisiken für das Unternehmen und die Unternehmensleitung persönlich, gewinnt die Risikovorsorge durch ein wirksames Compliance Management zunehmend an Bedeutung.

Der aus der anglo-amerikanischen Wirtschaftsterminologie entlehnte Begriff "Compliance" bedeutet nicht mehr als die Selbstverständlichkeit, dass sich Unternehmen, Mitarbeiter und Organe an die geltenden Gesetze und internen Regeln halten. Die Bezeichnung "Compliance Management System" (CMS) steht für die Gesamtheit der Risikovorsorgemaßnahmen in allen Bereichen des Unternehmens, um Regelkonformität sicherzustellen.

Mittelstand unterschätzt die Risiken

Während Großunternehmen ihre Lehren aus der Siemens Affäre und anderen Skandalen gezogen haben und massiv in den Ausbau ihrer Compliance-Organisation investieren, sieht sich der Mittelstand zumeist nicht gefährdet und unterschätzt die von fehlenden Verhaltensrichtlinien und unzureichenden Kontrollen ausgehenden Risiken für Vermögen und Reputation des Unternehmens wie auch die Gefahren einer persönlichen Haftung der Geschäftsleitung.

Fehlende Kontrollstrukturen erschweren die Entdeckung von Regelverstößen durch Mitarbeiter und Externe und erleichtern oder fördern sogar die Selbstbereicherung zum Nachteil des Unternehmens. In nicht wenigen Fällen sind den Unternehmensangehörigen die strafrechtlichen Fallstricke bei ihren Entscheidungen nicht bekannt, sodass es ungewollt zu Gesetzesverstößen kommen kann.

Verschärfte Anforderungen

Tatsächlich haben die an die Einführung von Risiko vermeidenden Präventions- maßnahmen gestellten Anforderungen durch Gesetz und Rechtsprechung massiv zugenommen. Auch ist die in die Unternehmen gesetzte Erwartung von Öffentlichkeit, Kunden und Geschäftspartnern gestiegen, wirksame Compliance-Strukturen vorzuhalten, um Regelverstöße zu vermeiden.

Vor diesem Hintergrund wächst die Bedeutung eines aktiven Compliance-Managements. Allein auf Vertrauen als Kontrollersatz zu setzen und sich in trügerischer Sicherheit zu wiegen, genügt aber den Anforderungen an die Sorgfaltspflichten der Geschäftsleitung schon lange nicht mehr. Präventionsmaßnahmen und qualifizierte Kontrollen zur Verhinderung von Straftaten sind wirtschaftlicher als an der falschen Stelle zu sparen. Eine umsichtige Risikovorsorge zahlt sich auf jeden Fall aus.

Der Mittelstand wird sich dem Thema Compliance auf Dauer nicht entziehen können. Auch der Mittelstand braucht Compliance. Es besteht ein großer Nachholbedarf bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen wie auch bei den Eigenbetrieben und Gesellschaften der öffentlichen Hände in der Wohnungswirtschaft, bei Verkehrs- und Reinigungsbetrieben und Stadtwerken.

Mittelständische Unternehmen stehen allerdings bei der Betrachtung der Compliance-Thematik oft ratlos vor den zeitlichen, personellen und rechtlichen Herausforderungen. Es fehlen das erforderliche Know-how und die Ressourcen großer Unternehmen. Überdimensionierte Compliance-Systeme sind für kleine und mittlere Betriebe zu teuer und ungeeignet.

Ein Trend getriebener Compliance-Aktionismus hilft nicht weiter. Nicht wenige Unternehmen halten klangvolle Ethik-Instrumente bereit, deren Wirksamkeit nicht belegt ist und deren Umsetzung im Geschäftsalltag nicht kontrolliert wird. Nur so tun als ob, schützt weder vor Korruption noch vor Haftungsfolgen. Die Unternehmensführung ist verpflichtet, die erforderliche Compliance-Organisation bereit zu stellen, die geeignet und darauf angelegt ist, Schwachstellen und Regelverstöße frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen, die für die Einhaltung der Regeln sorgt und den Mitarbeitern im geschäftlichen Alltag mit Hilfe von Compliance-Richtlinien, Beratung und Schulung Handlungssicherheit bietet.

Compliance mit Augenmaß

Eine effiziente Compliance-Organisation ist auf das Profil des jeweiligen Unternehmens zugeschnitten. Sie berücksichtigt Größe und Komplexität des Unternehmens, seine internationalen Geschäftsfelder und die für den konkreten Betrieb identifizierten wie auch die für seine Branche typischen Korruptions- und Fraud-Risiken. Compliance-Maßnahmen mit Augenmaß stehen in einem angemessenen Verhältnis von Nutzen und Aufwand.

Wettbewerbsvorteil

Die Beherrschung von Risiken durch ein effizientes Compliance Management wird zunehmend zu einem Wettbewerbsvorteil. Schon jetzt wird vielfach die Aufnahme von Geschäftsbeziehungen von dem Nachweis eines funktionierenden Compliance Management Systems im Unternehmen abhängig gemacht.

Wolfgang J. Schaupensteiner
Rechtsanwalt

© 2011 - 2015 Wolfgang J. Schaupensteiner